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Prostatakrebs: Teil II

Stand der Information: November 2010

Wenn ein Prostatakarzinom diagnostiziert wird, besteht meist kein Zwang, sofort zu handeln. Es kann sogar empfehlenswert sein, keine Therapie zu beginnen, sondern zunächst abzuwarten, aber alle drei Monate eine Kontrolluntersuchung durchführen zu lassen. Wird dann eine Therapie erforderlich, so gibt es mehrere Behandlungsoptionen, die auch kombiniert werden können: Operation, Bestrahlung, die Behandlung mit Antihormonen und die Chemotherapie.

Operation und Strahlentherapie

Wenn ein Tumor die Prostatakapsel noch nicht durchbrochen hat, ist die komplette chirurgische Entfernung der Prostata – die Prostataektomie – die Methode mit der größten Aussicht auf dauerhafte Heilung. Der PSA-Wert fällt meist wenige Wochen nach der Operation unter die Nachweisgrenze ab.

Die Operation hat allerdings unerwünschte Folgen. Da in der Nachbarschaft der Prostata Gefäß- und Nervenbündel verlaufen, die für die Funktion der Schwellkörper im Penis wichtig sind, ist nach der Operation die Erek­tions­fähigkeit bei etwa neun von zehn Patienten zunächst beeinträchtigt. Die Prostata liegt außerdem in direkter Nähe des Blasenschließmuskels. Nach einer Operation verlieren manche Patienten die Fähigkeit, ihren Urin kontrolliert abzugeben, sie leiden an Inkontinenz. Etwa fünf bis sieben Prozent der operierten Patienten müssen damit rechnen, auch bei konsequentem Beckenbodentraining länger als ein Jahr leicht inkontinent zu sein.
Wurden bei der Operation auch Lymphknoten entfernt, besteht die Gefahr eines Lymph­ödems.

Die Strahlentherapie kann bei sehr kleinen Tumoren im Sinne einer Heilung erfolgversprechend sein. Bei großen, inoperablen Karzinomen wird sie zur Verkleinerung des Tumors eingesetzt. In der Regel hat die Strahlentherapie zwar weniger Nebenwirkungen als die Operation, Wassereinlagerungen, Potenzverlust und Inkontinenz kommen aber häufig vor.

Antihormon- und Chemotherapie
Die Antihormon-Therapie hat das Ziel, die Produktion des männlichen Sexualhormons Testosteron möglichst komplett zu blockieren. Denn ein Prostatakarzinom benötigt Testo­steron, um wachsen zu können. Der Hormonentzug ist grundsätzlich auf zwei Wegen möglich: Durch chirurgische Entfernung des hormonproduzierenden Gewebes, also durch Kastration, oder durch die dauerhafte medikamentöse Blockade der körpereigenen Hormonproduktion. Allerdings sind die Krebszellen nach einiger Zeit in der Lage, sich auf den Hormonentzug einzustellen und wachsen auch ohne Testosteron weiter. Als Nebenwirkungen des Hormonentzugs können Hitzewallungen, vermindertes sexuelles Verlangen, Wachsen der Brustdrüsen, Gewichtszunahme und Muskelabbau auftreten. Bei lang andauerndem Hormonentzug nimmt außerdem die Knochendichte ab. Durch geeignete medi­kamentöse Maßnahmen muss dann einer Osteo­porose vorgebeugt werden.

Sind die Zellen des Prostatakarzinoms in der Lage ohne Testosteron weiter zu wachsen, handelt es sich also um ein  hormonrefraktäres Prostatakarzinom, besteht die Möglichkeit, sich einer Chemotherapie zu unterziehen. Damit lässt sich das Tumorwachstum häufig verlangsamen und vorhandene Beschwerden werden gelindert.