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Prostatakrebs: Teil I

Stand der Information: November 2010 Mit etwa 60.000 Neuerkrankungen pro Jahr ist das Prostatakarzinom vor dem Dickdarm- und dem Lungen­karzinom die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Neun von zehn Patienten haben zum Zeitpunkt der Diagnose den sechzigsten Geburtstag bereits hinter sich. Kein Wunder also, dass ältere Männer Angst davor haben, an Prostatakrebs zu erkranken.

Allerdings wachsen Prostatakarzinome im Gegensatz zu vielen anderen Krebszellen langsam. Aus umfangreichen Untersuchungen weiß man heute, dass etwa drei von zehn Männern über 70 ein sogenanntes latentes Prostatakarzinom haben. Das heißt, der Tumor schreitet so langsam fort, dass er den meisten dieser Männer keinerlei Beschwerden bereitet. Bevor das Karzinom für diese Patienten spürbar wird, sind sie – meist in hohem Alter – bereits an anderen Krankheiten verstorben.

Bedrohte Männlichkeit
Rechtzeitig entdeckt, sind bösartige Prostatatumoren heilbar oder zumindest so gut in Schach zu halten, dass der Patient kaum eine verkürzte Lebensdauer befürchten muss. Dennoch ist das Thema Prostataerkrankungen für die meisten Männer angstbesetzt, rührt es doch im wahrsten Sinne des Wortes an den Wurzeln ihrer Männlichkeit: Die Prostata (Vorsteherdrüse) produziert ein Sekret, das die von den Hoden durch die Samenleiter aufsteigenden Spermien beweglich und damit erst befruchtungsfähig macht. Innerhalb der Prostata münden die beiden Samenleiter in die Harnröhre, die Vorsteherdrüse selbst gibt ihr Sekret während des Orgasmus über viele Ausführungsgänge ebenfalls in die Harnröhre ab. Durch regelmäßige Kontraktionen der Prostata und der Harnröhre gelangt das Ejakulat schließlich nach außen.

Früherkennung und Diagnose
Störungen in diesem komplexen System nehmen mit fortschreitendem Alter zu und beeinträchtigen oft die sexuelle Potenz und die kontrollierte Harnausscheidung. Die im Alter häufig auftretenden Probleme beim Wasserlassen sind allerdings so gut wie nie durch ein Karzinom, sondern durch eine gutartig vergrößerte Vorsteherdrüse verursacht, die sogenannte Benigne Prostata-Hyperplasie (BPH).

Im Gegensatz zur gutartigen Vergrößerung verursacht Prostatakrebs lange Zeit so gut wie keine Beschwerden, weil die Krebszellen nicht wie bei der BPH im inneren Teil der Drüse, sondern außen, also vergleichsweise weit entfernt von der Harnröhre zu wachsen beginnen. Trotzdem lässt sich das Prostatakarzinom frühzeitig erkennen. Der Tumor hat eine andere Konsistenz als das glatte und elastische, gesunde Prostatagewebe. Bei den meisten Patienten beginnt das Tumorwachstum auf der dem Enddarm zugewandten Seite. Die für den Tumor charakteristischen Verhärtungen im Gewebe kann ein erfahrener Arzt daher durch den After ertasten. Diese Untersuchung ist Bestandteil der Krebsvorsorgeuntersuchung, die Männer ab dem 45. Lebensjahr einmal jährlich in Anspruch nehmen können. Besonders wichtig: Ist Prostatakrebs in der Familie verbreitet, ist das persönliche Risiko erhöht und man sollte sich unbedingt regelmäßig untersuchen lassen.

PSA-Bestimmung
Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung bieten Ärzte eventuell auch an, die Konzentration des PSA im Blut zu bestimmen. PSA steht für Prostata-spezifisches Antigen. Dieser Eiweißstoff ist Bestandteil des Sekrets, das die Prostata beim Samenerguss in die Harnröhre abgibt. Bei gesunden Männern gelangen nur winzige Spuren PSA ins Blut. Bei Patienten mit Prostatakrebs sind höhere PSA-Konzentrationen nachweisbar. Allerdings sind die Testergebnisse allein kein eindeutiger Beleg für oder gegen ein Prostatakarzinom: Bei zwei von zehn Patienten mit Prostatakrebs ist der PSA-Wert völlig unauffällig. Andererseits ist bei zwei von drei Männern mit erhöhtem PSA-Wert kein Prostatakarzinom nachzuweisen. Für den PSA-Anstieg ist dann eher eine Prostataentzündung oder eine Harnwegsinfektion verantwortlich.

Wegen seines damit nur beschränkten Wertes verweigern die gesetzlichen Krankenkassen die Kostenübernahme für einen PSA-Test im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung. Wer diesen Test dennoch durchführen lassen möchte, muss ihn selbst bezahlen.

Als Kontrolle für den Erfolg einer Prostatakrebs-Behandlung und/oder zur Abschätzung des Krankheitsverlaufs ist die PSA-Bestimmung dagegen ein eindeutiges und wertvolles Instrument: Immer wenn der PSA-Wert sinkt, hat eine Behandlung angeschlagen, wenn er steigt, schreitet die Krankheit weiter voran. Derartige Kontrollbestimmungen sind deshalb auch Kassenleistungen.

Gewebeprobe – unangenehm, aber unverzichtbar
Die zuverlässigste Methode, einen Krebsverdacht zu erhärten oder auszuschließen, ist die Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie). Dazu werden ambulant mit einer Stanznadel sechs bis 18 Gewebeproben aus unterschiedlichen Bereichen der Prostata entnommen und unter dem Mikroskop untersucht. Bis zum Abschluss dieser feingeweblichen Untersuchungen im Labor vergehen einige Tage. Hat sich der Krebsverdacht bestätigt, ist es zunächst wichtig zu klären, welche biologischen Eigenschaften die Krebszellen haben. Anhand dieses Gradings unterscheidet man beispielsweise besonders aggressive von weniger aggressiven Zellen.

Tumorzellen vom Grad 1 (G1) sind gesunden Prostatazellen noch recht ähnlich. Sie sind noch so gut differenziert, dass sie mit Zellen in ihrer Umgebung kommunizieren können und damit in gewisser Weise auch noch der Kontrolle körpereigener Steuerungssysteme un­ter­­liegen. Deshalb wachsen G1-Tumorzellen vergleichsweise langsam. Tumorzellen vom Grad 4 dagegen sind nur noch wenig differenziert, ihr einziger Zweck ist, unkontrolliert und schnell zu wachsen. G4-Tumorzellen sind deshalb besonders bösartig. G2- und G3-Tumorzellen liegen in Differenzierungsgrad und Aggressivität zwischen G1 und G4.