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Mammakarzinom

Das Mammakarzinom ist nach wie vor die häufigste aller Krebserkrankungen: Jährlich erkranken mittlerweile etwa 60.000 Frauen, schätzen Experten des Robert-Koch-Instituts und der Deutschen Krebshilfe. Die Häufigkeit von Brustkrebs steigt seit etwa 1980 stetig an. Gleichzeitig verbessern sich aber auch Vorsorge- und Behandlungsmöglichkeiten kontinuierlich. Aus diesem Grund sterben immer weniger Frauen an Brustkrebs.

Die Vorsorge für jede Frau beginnt mit der Selbstuntersuchung: Einmal im Monat sollten Frauen ihre Brüste abtasten, und zwar vorzugsweise eine Woche nach der Periode. Zu dieser Zeit sind die Brüste weich und etwaige Verhärtungen lassen sich gut aufspüren. Frauen in und nach den Wechseljahren führen die Tastuntersuchung immer am gleichen Tag im Monat durch.


Drei Viertel aller Knoten sind gutartig

Wenn eine Verhärtung oder ein Knoten spürbar ist, so ist das kein Grund zur Panik, sondern Anlass für einen Arztbesuch. Ein Knoten muss nicht zwangsläufig Krebs bedeuten, im Gegenteil: drei Viertel aller Knoten sind gutartig. Solche harmlosen Geschwulste wachsen häufig im Binde- oder im Fettgewebe der Brust. Ärzte sprechen dann von Fibromen beziehungsweise Lipomen. Auch flüssigkeitsgefüllte Hohlräume – sogenannte Zysten – können sich anfühlen wie ein Knoten, sind aber in der Regel ungefährlich.

Bösartige Tumoren entstehen vorzugsweise im äußeren oberen Teil der Brust, genauer: in dem der Achselhöhle am nächsten liegenden Bereich. Je nachdem, von welchem Gewebe das bösartige Wachstum ausgeht, unterscheidet man zwei Formen: Die lobulären und die duktalen Karzinome. „Lobuli“ nennen Mediziner die Drüsenläppchen, in denen die Milch gebildet wird, als „Ductus“ bezeichnen sie die Milchgänge, die in die Brustwarze münden. Brustkrebs kann also in den Drüsenläppchen oder in den Milchgängen entstehen. Acht von zehn Mammakarzinomen sind duktalen Ursprungs. Wichtig ist außerdem zu wissen, ob der Krebs die Grenzschicht (das Epithel) der Gänge oder Läppchen bereits durchbrochen hat oder nicht. Wenn das noch nicht geschehen ist, sprechen Mediziner von einem Carcinoma in situ, also von einem „Krebs an Ort und Stelle“. In solchen Fällen sind die Aussichten auf vollständige Heilung besonders groß. Wenn duktale oder lobuläre Karzinome „invasiv“ wachsen, so bedeutet das, dass sie die Grenzschicht zu tiefer liegendem Gewebe bereits durchbrochen haben.

Brustkrebs entsteht durch einen zellulären „Unfall“

Wie jede Krebserkrankung entsteht auch das Mammakarzinom letztlich durch einen zellulären „Unfall“, der im Rahmen einer Zellteilung passiert. Vor jeder Zellteilung müssen zunächst die etwa 3 Milliarden Bausteine der Erbsubstanz fehlerlos kopiert werden, damit die neu entstehende Zelle mit der Ursprungszelle identisch ist.Bei diesem Kopiervorgang entstehen fast zwangsläufig Fehler. Allerdings hat die Natur sozusagen Sicherungen eingebaut, damit diese Fehler nicht zu Erkrankungen führen. Bestimmte Enzyme können Kopierfehler reparieren. Wenn das nicht funktioniert, zerstört sich die Zelle in einer Art Selbstmordprogramm normalerweise selbst. Oder das Immunsystem bemerkt die fehlerhafte Zelle und macht sie mit Hilfe von speziellen Killerzellen unschädlich.

Bei Krebspatienten ist zumindest ein Teil dieser „Sicherungen“ ausgefallen, das heißt die Zelle mit der fehlerhaften Erbsubstanz teilt sich unaufhörlich weiter, und die ent­stehende Geschwulst entzieht sich schließlich vielen körpereigenen Kontroll- und Regulationsmecha­nismen. Ein Karzinom ist entstanden. Weil die „Sicherungen“ gegen Kopier­fehler mit zunehmendem Alter immer weniger gut funktionieren, steigt mit der Anzahl der Lebensjahre auch das Krebsrisiko.

Erbliche Veranlagung

Für Brustkrebs kann auch eine erbliche Veranlagung bestehen: Ein erhöhtes Risiko besteht dann, wenn Mutter oder Schwester schon einmal an Brustkrebs erkrankt waren. Auch eine vorangegangene Brustkrebserkrankung bedeutet ein erhöhtes Risiko für bösartiges Zellwachstum in der anderen Brust. Drei „Brustkrebsgene“ sind zwischenzeitlich identifiziert worden, weitere werden in den nächs­ten Jahren folgen. Experten schätzen, dass etwa 5 Prozent aller Mammakarzinome erblich bedingt sind.

Früherkennung rettet Leben

Je frühzeitiger ein Brustkrebs erkannt wird, desto erfolgreicher ist die Behandlung. Im Anfangsstadium macht ein Mammakarzinom keine Beschwerden, deshalb sind neben der Selbstbeobachtung Vorsorgeuntersuchungen besonders wichtig. Neben der jährlichen Früherkennungsun­tersuchung ab dem 30. Lebens­jahr zahlen die gesetzlichen Krankenversicherungen auch das sogenannte Mammographie-Screening für gesunde Frauen zwischen 50 und 69. Mit diesem bildgebenden Verfahren lassen sich Knoten schon unterhalb der tastbaren Größe sichtbar machen. Ein Teil der mammographisch verdächtigen Befunde erweist sich später allerdings als harmlos. Zur Abklärung muss die Mammographie mit anderen Diagnoseverfahren – Tastbefund, Ultraschall, Kernspintomographie – kombiniert werden. Im Zweifelsfall bringt eine kleine Gewebeprobe, die sich unter dem Mikroskop untersuchen lässt, endgültige Klarheit.

Gewebeprobe bringt Klarheit

Wenn sich der Verdacht bei der mikrosko­pischen Untersuchung erhärtet, wird das Gewebe auch mit anderen Testverfahren untersucht. Unter anderem versuchen Labormediziner herauszufinden, welche Eiweiße die Zellen des Tumors auf ihrer Oberfläche tragen. Solche Eiweiße dienen bei vielen Tumoren als Andockstellen (Rezeptoren) für die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron. Bei anderen, sehr aggressiven Tumorformen sind sogenannte Her2-Rezeptoren auf den Zellen nachweisbar. All diese Rezeptoren sind sozusagen biochemische Schalter: Sind sie angeschaltet, wächst der Tumor, steht der Schalter auf „aus“, verlang­samt sich das Wachstum. Genaue Informationen über Rezeptoren auf den Tumorzellen sind für die spätere Therapieplanung sehr wertvoll; denn es gibt mittlerweile Medikamente, mit denen sich die Rezeptoren blockieren oder, anders ausgedrückt, die Schalter auf „aus“ stellen lassen.

Tumorzellen möglichst vollständig abtöten

Der Grundpfeiler jeder Brustkrebstherapie ist nach wie vor die Operation. Allerdings wird heute nur noch in seltenen Fällen die gesamte Brust abgenommen. Eine solche Mastektomie ist beispielsweise notwendig, wenn in der Brust mehrere bösartige Tumoren wachsen. Sollte der Tumor für eine brusterhaltende Operation zu groß sein, wird häufig versucht, ihn mit einer sogenannten neoadjuvanten – das heißt  vor der Operation unterstützend eingesetzten – medikamentösen Behandlung zu verkleinern. An die brusterhaltende Operation schließt sich meist eine Nachbestrahlung der Restbrust an, um mögliche verbliebene Tumorzellen abzutöten. Auch eine unterstützende (adjuvante) medikamentöse Therapie ist je nach Brustkrebsstadium sinnvoll oder notwendig.

Zielgerichtete Therapie

Die großen Fortschritte in der Brustkrebsbehandlung beruhen wesentlich auf der Entwicklung neuer, gezielt wirkender Medikamente. Je genauer ein Tumor charakterisiert ist, desto gezielter kann er behandelt werden. Anti-Hormone zum Beispiel sind sinnvoll, wenn auf den Tumorzellen Rezeptoren für
Östrogen und/oder Progesteron nachgewiesen wurden.

Her2-positive Tumoren lassen sich wirksam mit den Antikörpern Trastuzumab und Pertuzumab oder mit anderen zielgerichteten Arzneimitteln wie Lapatinib behandeln. Ziel dieser medikamentösen Therapie ist es, die „Wachstumsschalter“ auf den Tumorzellen auf „aus“ zu stellen. Nach einer Operation sollen damit  auch kleinste, aber noch nicht nachweisbare Tochtergeschwulste (Mikrometastasen) vernichtet werden.  Wenn sich auf der Oberfläche von Brustkrebszellen keine ­Östrogen-, Progesteron- oder Her2-Rezeptoren nachweisen ­lassen, sprechen Mediziner von dreifach negativen – oder tripelnegativen – Tumoren. Sie bieten keinen speziellen Ansatzpunkt für eine zielgerichtete Therapie und werden deshalb mit Chemotherapeutika behandelt, die allgemein auf schnell wachsende Zellen wirken. Hoffnungen speziell für die Behandlung tripelnegativer Tumoren ruhen auf der Entwicklung sogenannter PARP-Inhibitoren.

Krankheitsbewältigung

Je weniger zielgerichtet eine Behandlung ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall (Rezidiv) oder für die Bildung von Tochtergeschwulsten (Metastasen). Brustkrebszellen nutzen zunächst die Lymph- und später auch die Blutbahnen als Transportwege, um sich dann vorzugsweise in Knochen, Lunge oder Leber anzusiedeln und dort Metastasen zu bilden. Aber auch bei einem metastasierten Mammakarzinom ist längst nicht „alles“ verloren. Eine genau auf die Bedürfnisse der Patientin abgestimmte Behandlung ermöglicht in der Mehrzahl der Fälle ein jahrelanges Überleben mit guter Lebensqualität.

Die Diagnose Brustkrebs verändert das Leben radikal. Jede Patientin ist anders und findet ihren eigenen Weg, mit der Krankheit zu leben. Nehmen Sie sich das Recht, diesen eigenen Weg zu gehen. Tun Sie das, was Sie nach eingehender und umfassender Information für richtig halten. Wir werden Sie dabei nach Kräften unterstützen.