Krebsinformationen von uns für Sie

Lungenkrebs: Diagnostik und Therapie

Stand der Information: Mai 2010 Rund 32.000 Männer und mehr als 13.000 Frauen werden jedes Jahr mit der schwerwiegenden Diagnose „Lungenkrebs“ konfrontiert. Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer und Frauen bei etwa 68 Jahren. Fortgeschrittener Lungenkrebs gehört auch heute noch zu den Krebsarten mit eher geringen Heilungsaussichten. In den letzten Jahren ist es aber gelungen, die Lebensqualität für die verbleibende Zeit zu verbessern.

Regelmäßiges Rauchen über Jahre hinweg ist nach wie vor der größte Risikofaktor für die Entstehung von Lungenkrebs, von Medizinern häufig auch als Bronchialkarzinom bezeichnet. Etwa 85 Prozent aller Patienten sind bei der Diagnose Raucher. Weitere Ursachen sind Kontakt mit krebsfördernden Substanzen wie Arsen, Asbest, Benzol und Benzol-ähnlichen Kohlenwasserstoffen, mit Chrom, Cadmium, Nickel, Ruß und Teer sowie Radon. Lungenkrebs wächst lange Zeit ohne Beschwerden und wird deshalb in frühen Stadien meist nur zufällig, etwa beim Routine-Röntgen, entdeckt.

Zwei Gruppen von Bronchialkarzinomen
Nach dem Aussehen der Tumorzellen unter dem Mikroskop werden zwei große Gruppen von Bronchialkarzinomen unterschieden: Der kleinzellige und der nichtkleinzellige Lungenkrebs, nach ihren englischen Bezeichnungen häufig abgekürzt als SCLC und NSCLC.

Der kleinzellige Lungenkrebs gilt als der klassische Rauchertumor. Seine Zellen wachsen sehr schnell, der Tumor bildet schnell Metas­tasen. Das schnelle Wachstum bietet allerdings auch einen guten Angriffspunkt für die Behandlung: Kleinzellige Lungenkrebse sprechen gut auf Chemotherapeutika an, selbst in fortgeschrittenen Stadien reagieren noch 60 bis 80 Prozent der Patienten auf die Behandlung. Aber trotz erfolgreicher Behandlung bildet sich meist ein Rezidiv, also ein geweblich ähnlicher Tumor, an derselben Stelle, und mit jedem neuen Rezidiv wird die Behandlung schwieriger.
Etwa drei Viertel der Lungenkrebspatienten sind am nichtkleinzelligen Lungenkrebs erkrankt. Je nach Zellart, von der der Tumor ausgeht, werden drei Haupttypen unterschieden: das Plattenepithelkarzinom, das Adenokarzinom und das großzellige Karzinom. Im Vergleich zu kleinzelligen Karzinomen wachsen nicht-kleinzellige zunächst langsamer und streuen auch später in andere Gewebe. Sobald sie Metastasen gebildet haben, beschleunigt sich jedoch auch ihr Wachstum.

Diagnostik und Stadieneinteilung
Vor der Therapie eines Bronchialkarzinoms steht die sorgfältige Diagnostik. Wichtige Fragen, die zu klären sind, lauten:

  • Ist nur ein Lungenflügel betroffen?
  • Sind schon Krebszellen in Lymphknoten nachweisbar?
  • Gibt es schon Metastasen in entfernt liegenden Organen und Geweben?
  • Um welche Tumorart genau handelt es sich?

Bei der Suche nach Antworten auf diese ­Fragen nutzen Ärzte bildgebende Untersuchungsverfahren wie Röntgen, Computertomographie, Positronen-Emissionstomographie (PET) oder die Untersuchung der Atemwege mit einer kleinen Spezialkamera im Rahmen der Bronchoskopie. Gegebenenfalls wird im Rahmen einer Feinnadelbiopsie eine Gewebeprobe des Tumors genommen und vom Gewebespezialisten, dem Pathologen, untersucht.

 

Stadium Beschreibung
very limited disease stark begrenzte Erkrankung, kleine Tumoren ohne Lymphknotenbefall
limited disease begrenzte Erkrankung, Befall einer Lungenhälfte mit oder
extensive disease ohne Lymphknotenbefall auf einer Seite der Brusthöhle
ausgedehnte Erkrankung, alle Fälle, die weder
„very limited disease“ noch „limited disease“ sind

Tabelle 1: Stadieneinteilung kleinzelliger Bronchialkarzinome (vereinfacht)

Die Untersuchungsergebnisse versetzen die behandelnden Ärzte in die Lage, das kleinzellige oder nichtkleinzellige Bronchialkarzinom genauer zu charakterisieren, sprich, es einem eindeutigen Stadium zuzuordnen (siehe Tabellen).

Tabelle 2: Stadieneinteilung und Charakteristika von nichtkleinzelligen Bronchialkarzinomen


Operieren, wenn es sinnvoll ist
Wenn der Tumor noch nicht gestreut, von seiner Lage her operabel und der Patient belastbar ist, dann gibt es die Chance, den Lungenkrebs durch eine Operation vollständig zu entfernen. Wenn die Operationswunde verheilt ist, schließt sich meist eine Chemo-, in bestimmten Fällen auch eine Strahlentherapie an. Diese Maßnahmen sollen sicherstellen, dass möglicherweise im Körper verbliebene Tumorzellen, die man auch mit den
besten bildgebenden Verfahren noch nicht entdecken kann, vernichtet werden.

Hat der Tumor dagegen schon Metastasen gebildet, ist möglicherweise auch in andere Organe vorgedrungen, geht es nicht mehr um Heilung, sondern darum, das Tumorwachstum zu verlangsamen und dem Patienten ein lebenswertes Leben zu ermöglichen. In diesem Fall wird auf die Operation oft verzichtet, stattdessen behandelt man mit einer ange­pass­ten Chemo- und Strahlentherapie und gegebenenfalls mit weiteren Medikamenten.

Neue Medikamente
Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie sind nach wie vor die Basiswerkzeuge zur Behandlung von Krebserkrankungen. In den letzten Jahren sind aber viele Medikamente entwickelt worden, die zumindest bei bestimmten Patienten besonders gut wirken. Große Hoffnungen setzt man bei der Behandlung von Lungenkrebs auf Substanzen, die Wachstumssignale an oder in Krebszellen blockieren. Bei etwa 10 bis 15 Prozent der Patienten mit fortgeschrittenem nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom ist die Wirkung sogenannter Tyrosinkinase-Hemmstoffe erstaunlich gut. Diese Medikamente unterbrechen die Weiterleitung von Wachstumssignalen von der Zellmembran einer Tumorzelle über das Zellinnere bis zum Zellkern. Im Zellkern wird das Wachstumsprogramm der Zelle gestoppt, die Tumorzelle teilt sich deshalb nicht mehr, das Tumorwachstum kommt zum Erliegen.

Ob diese Medikamente im Einzelfall wirken oder nicht, lässt sich mittlerweile im Vorfeld durch einen von ausgewählten Labors durchgeführten Test feststellen. Auch wenn sie wirken, bringen die Tyrosinkinase-Inhibitoren zwar keine Heilung, aber die Verbesserung der Lebensqualität der Patienten ist bemerkenswert.

Psycho-onkologische Unterstützung
Bei der Behandlung von Lungenkrebs geht es nie nur um die Bekämpfung körperlicher Symptome. Viele Lungenkrebspatienten leiden extrem unter ihrer Erkrankung. Nicht nur, weil die mittlere Überlebenszeit mit etwa zwei Jahren sehr kurz ist. Viele Patienten kämpfen mit Schuldgefühlen, weil sie wissen, dass ihr jahrzehntelanger Tabakkonsum wesentlich für die Entstehung der Krankheit verantwortlich ist.

Möglicherweise sind Empfindungen dieser Art auch eine Ursache dafür, dass Lungenkrebspatienten nur selten die Unterstützung eines Psycho-Onkologen suchen. Dabei können diese Fachleute bei der Bewältigung der Erkrankung sehr hilfreich sein. Denn klar ist: Es geht bei der Therapie von Lungenkrebs nicht um Kategorien wie „selber schuld“
oder schuldlos.  Vielmehr gilt es ganz individuell das zu tun, was einem persönlich am wichtigs­ten erscheint. Das können Wege sein, die häufig unsägliche Angst erträglich zu machen. Meist ist auch bezüglich der Versorgung (Krankengeld oder Erwerbsunfähigkeits­rente) vieles zu regeln. Nicht zuletzt haben auch Lungenkrebspatienten ein Recht darauf, sich Wünsche zu erfüllen. Allerdings trauen sie sich häufig nicht, darüber zu reden. Sie wünschen sich in aller Regel aber Angebote, die verbleibende Zeit aktiv für sich zu nutzen. Das Spektrum reicht von liebevoller Körperpflege bis hin zu kleinen Reisen, die in Behandlungspausen in den meisten Fällen möglich sind.

Tipp:
Eine Menge zusätzlicher Informationen bietet das Anfang
Februar 2010 erschienene medizinische Hörbuch „Mit Lungenkrebs leben“.

Zu beziehen über den Buchhandel oder direkt beim Verlag: www.lukon.de