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Frühe Menopause als Nebenwirkung der Krebsbehandlung

Jede Chemotherapie zielt auf sich schnell teilende Zellen. Da sich aber nicht nur Tumorzellen rasch teilen und vermehren, geraten auch andere Zellen des Körpers bei einer solchen Behandlung in Mitleidenschaft. Das betrifft sowohl Haarfollikel-Zellen, Zellen im Magen-Darm-Trakt, blutbildende Zellen ebenso wie Hautzellen und Zellen in den Eierstöcken. Die Zerstörung solch gesunder Zellen ist verantwortlich für die häufigsten Nebenwirkungen: Haarausfall, Übelkeit, Symptome der Menopause, Pigmentveränderungen und Änderungen der Blutwerte.

Permanente Menopause nach Chemotherapie
Etwa ein Drittel aller Frauen unter 40 Jahren muss nach einer Chemotherapie mit einer permanenten Menopause rechnen, bei Frauen zwischen 40 und 50 Jahren betrifft es zwei Drittel, bei Frauen über 45 Jahre sogar 90 Prozent. Dabei kann die Menopause zeitverzögert erst Monate nach Therapiebeginn, dann aber ganz plötzlich einsetzen.

Chemotherapien schädigen das genetische Material der hormonproduzierenden Zellen (siehe Kasten). Durch diesen Östrogenmangel treten bei Frauen oft Symptome der Wechseljahre auf wie unregelmäßige Blutungen, Hitzewallungen, nächtliches Schwitzen, Herzrasen und Kreislaufbeschwerden, Gewichtszunahme, vaginale Trockenheit oder vermindertes sexuelles Verlangen.

Noch schwerwiegender sind Unfruchtbarkeit, Osteoporose sowie Depression und Angstzustände.

Überfallartige und gravierende Beschwerden
Im Gegensatz zur im Rahmen der Wechseljahre natürlich einsetzenden Menopause ist im Fall einer medizinischen Menopause mit plötzlich einsetzenden und sehr ernsten Beschwerden zu rechnen.

Am besten ist es, die direkten Auslöser zu erkennen und fortan möglichst zu meiden. Das sind in erster Linie Situationen, durch die sich die Blutgefäße erweitern. Dazu gehören heiße Getränke, Alkohol, stark gewürzte oder schwer verdauliche Speisen. Aber auch Stress, Übergewicht und Nikotin können Hitzewallungen verursachen.

Gegen plötzliche Hitzewallungen hilft oft der Zwiebellook, das heißt zum Beispiel anstelle eines dicken Pullovers mehrere dünne Kleidungsstücke übereinander zu tragen, deren man sich dann nach Bedarf entledigen kann. s. Auch Atemübungen, Yoga oder autogenes Training können hilfreich sein. Direkte Linderung versprechen Wechselduschen.

Medikamente nur in Absprache mit dem Arzt
Um dem Knochendichte-Verlust durch die fehlenden Hormone in der frühen Menopause vorzubeugen, ist viel Bewegung an der frischen Luft empfehlenswert, gegebenenfalls auch die – mit dem Arzt abgesprochene – Einnahme von Kalzium- und Vitamin-D-Präparaten. Inwieweit ein Krafttraining angeraten ist, sollte ebenfalls ärztlich abgeklärt werden.

Es gibt auch verschiedene Möglichkeiten, Wechseljahresbeschwerden medikamentös zu behandeln. Welches Präparat genau zum Einsatz kommt, hängt stark vom Alter und Gewicht der Frau, der Stärke der Beschwerden, dem Zeitpunkt der Menopause, der Familiengeschichte und den Vorerkrankungen ab.

Wenn Frauen mit Kinderwunsch eine Krebstherapie benötigen, kann man vor der Chemotherapie-Behandlung einige Vorkehrungen treffen. Die genaue Vorgehensweise bleibt im Einzelfall zu besprechen.

Wechseljahre – kurz erläutert: Mehrere Hormone, die im Gehirn und in den Eierstöcken gebildet werden, steuern den weiblichen Zyklus. Unter dem Einfluss des Follikel-stimulierenden Hormons (FSH) reifen Eizellen heran. Es kommt zum Eisprung (Ovulation) sowie zum Aufbau und zur anschließenden Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut bei der Regelblutung. Ab dem 40. Lebensjahr reagieren die Eierstöcke auf die hormonelle Stimulation unempfindlicher, der Eisprung findetseltener statt und die Produktion von Östrogenen in den Follikeln sinkt. Unregelmäßige Monatszyklen mit länger ausbleibenden oder stärkeren Blutungen können den Wechsel ankündigen. Bis zum 55.Lebensjahr sind die meisten Frauen in der Menopause.