Krebsinformationen von uns für Sie

Fragen, die wir Ihnen leider nicht beantworten können

Auf viele Fragen, die Sie uns stellen, ist es relativ einfach, eine klare Antwort zu geben und Ihnen damit Angst und Verunsicherung zu nehmen. Häufig sehen wir uns aber auch mit Fragen konfrontiert, deren Beantwortung nicht so einfach ist. Weil es dabei um Probleme geht, auf die es keine eindeutigen Antworten gibt.

Warum hat es gerade mich getroffen, warum bin ich an Krebs erkrankt?
Nahezu jeder Patient stellt sich diese Frage, meist nach der Diagnose oder in der Anfangsphase der Behandlung. Es kann darauf jedoch keine eindeutige Antwort geben. Drei Dinge sollten Sie sich klar machen: Erstens, eine Krebspersönlichkeit gibt es definitiv nicht. Krebs unterscheidet nicht zwischen Schuld und Unschuld, und auch der Charakter eines Patienten spielt keine Rolle. Zweitens, der individuelle Lebensstil hat sehr wohl Einfluss auf das Krebsrisiko und den Verlauf einer Krebserkrankung – wer zu viel isst und sich nicht bewegt, der verschlechtert seine Chancen auf den Therapieerfolg. Drittens, und das ist die wichtigste Botschaft: In Ihrer jetzigen Situation hilft die rückwärtsgewandte Suche nach Gründen nicht weiter. Sie können die Vergangenheit nicht verändern – aber Sie können Ihre Zukunft gestalten und sich aktiv in die Behandlung einbringen.

Wie wird mein Partner, wie wird meine Familie auf meine Krankheit reagieren?
Darüber können wir gern reden – aber eine konkrete Antwort werden Sie erst erhalten, wenn Sie die Reaktion Ihrer unmittelbaren Umgebung erleben. Aus Gesprächen wissen wir, was sich viele unserer Patienten von Familie und Freunden in erster Linie wünschen: Mitgefühl und Unterstützung ohne bevormundende Besserwisserei und ohne gefühlsduselige Anteilnahme. Wir raten Ihnen vor allem dazu, Ihre diesbezüglichen Wünsche offen auszusprechen. Wenn Sie unter der Reaktion der Menschen, an denen Ihnen liegen, leiden, dann sprechen Sie mit uns darüber. Wir stehen für ein gemeinsames Gespräch mit Angehörigen und Freunden gern zur Verfügung.

Bin ich nach der Behandlung geheilt?
Erlauben Sie eine Gegenfrage: Was ist Heilung? Bedeutet das Überleben von fünf oder zehn Jahren nach der Diagnose Heilung? Für manche Patienten ist das so. Dennoch kann eine Krebserkrankung auch nach zehn oder 15 Jahren wieder ausbrechen. Krebs ist kein Knochenbruch, sondern eine sehr komplexe Erkrankung. Nicht nur der Krebs kann wiederkehren, es kann auch zu Folgekrankheiten wie Infektionen oder Herzkreislauferkrankungen kommen, die auf die teilweise aggressiven Chemo- oder Strahlentherapien zurückzuführen sind. Mit Ihnen zusammen streben wir den bestmöglichen Therapieerfolg an – wie der genau aussieht, besprechen wir mit jedem Patienten individuell.

Wie lange habe ich noch zu leben?
Mediziner nennen die Antwort auf diese Frage die Prognose. Aus Studien verfügen wir dazu über statistisch gut abgesicherte Daten. Aus den Überlebensdaten von Tausenden von Patientinnen und Patienten kann man durchaus Aussagen zur Prognose machen. Sie ist abhängig vom Stadium der jeweiligen Erkrankung, von Alter und Allgemeinzustand, aber auch davon, wie sie oder er sozial eingebunden ist. Das Wichtigste aber: Es handelt sich bei diesen Aussagen immer um Durchschnittswerte, von denen die Überlebenszeit Einzelner massiv abweichen kann. Und immer wieder erleben wir, dass ein Patient trotz objektiv schlechter Daten sehr viel länger überlebt als vorher vermutet. Mit anderen Worten: Eine seriöse Antwort auf die Frage nach der verbleibenden Lebenszeit eines einzelnen Patienten ist nicht möglich.